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 Kaliumiodid-Tabletten 
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Chemie Junior

Registriert: 25.03.2008, 17:23
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Beitrag Kaliumiodid-Tabletten
Man hört ja immer, dass im Falle einer nuklearen Katastrophe oder eines Reaktorunfalls KI-Tabletten verteilt werden. Was hat das für einen Sinn, wie sollen uns die helfen?


26.03.2008, 19:15
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Chemie Freak

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Beiträge: 672
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Beitrag Re: Kaliumiodid-Tabletten
Deine Schilddrüsen brauchen Iod in Form von Iodid-Ionen, zB als Kaliumiodid!

Dabei lagert sich es in deiner Schilddrüse an.

Iod ist aber auch ein Stoff der radioaktive Isotope hat, die bei einer Nuklearkatastrophe sehr leicht entstehen und verbreitet werden.

Diese KI-Tabletten helfen jetzt nicht direkt gegen radioaktive Strahlung aber sie "füllen" deine Schilddrüse sozusagen mit nicht radioaktivem Iod, sodass kein radioaktives aufgenommen werden kann!

http://de.wikipedia.org/wiki/Kaliumiodid

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Ammoniumnnitrat: wenns in die Luft geht hat man wenigstens noch was zu Lachen!
roflBOA- This is where chemistry happens...


26.03.2008, 19:20
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Beiträge: 8279
Beitrag 
Das Zauberwort heißt hier "kompetitive Hemmung".
Wie FalconX bereits richtig gesagt hat, wird die Schilddrüse mit "normalem" Iod "gesättigt", so daß das bei den meisten Nuclearkatastrophen frei werdende I-131 nicht mehr "andocken" kann (stark vereinfacht ausgedrückt).
Dieses Hemmprinzip ist - in Abwandlungen - ziemlich weit verbreitet, die Einnahme von größeren Mengen an Ethanol bei einer Methanolvergiftung z. B. fußt auf diesem Prinzip, ebenso ist es verantwortlich, warum man mit einem massiven Überschuß eines Reaktanden das Gleichgewicht einer Reaktion nahezu vollständig in Richtung der Produkte verschieben kann.

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Gruß, Morienus


26.03.2008, 20:40
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Chemie God
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Beitrag 
mal ne frage an die keksperten:

bin bis jetzt davon ausgegangen, dass das mit den iod-tabletten eh nur makulatur ist, weil a) der koerper mit iod nur schwer zu saettigen ist ("spurenelementsammler") b) zwischen iod "radioaktiv" und "nicht radioaktiv" sowieso ein schneller austausch stattfindet, aehnlich wie bei deuterierungen und so...

kann da mal bitte jemand was zu sagen?

gruss

ingo

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26.03.2008, 21:13
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Chemie Senior
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Beitrag 
Nein, das stimmt so nicht.

Ständiger Austausch von Speichersubstanzen ist meistens richtig, nur halt für die Schilddrüse zufälligerweise mal nicht ^^

Wenn du den Körper mit Iodid 100 mg/d zuballerst, reichst das für eine Jodblockade wahrscheinlich völlig aus.


Es schützt natürlich weder vor direkter Gammastrahlung, noch vor Inkorporation anderer Strahler. Inwieweit das dann "Makulatur" ist, hängt dann wohl davon ab was und wieviel freigesetzt wurde...


EDIT: http://www.rippenspreizer.de/forum/show ... eadid=5355

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26.03.2008, 22:02
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Chemie God
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Beiträge: 4246
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Beitrag 
ja danke, wieder was gelernt

wobei mich das mit der "iodblockade" doch naeher interessieren wuerde, da es weder aus dem von dir gepostenten link noch aus den sublinks in dem dort verlinkten thread so hervorgeht.



gruss

ingo

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26.03.2008, 22:30
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Chemie Senior
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Beiträge: 233
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Beitrag 
Das war auch der falsche Link... zuviele Tabs auf einmal offen :roll:

Naja, zunächst gibts da nen spärlichen Wikipediaartikel zu, dann gibt es da ein Merkblatt der Strahlenschutzkommision und halt die entsprechende Verodrnung.
Und auch sonst bei google noch einiges...

Die Erklärung ist allerdings relativ mechanistisch: wenn der SHD viel Iod zugeführt wird, ist sie halt abgesättigt und nimmt kein weiteres mehr auf - wie morienus schon sagte.

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26.03.2008, 23:33
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Chemie God

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Beiträge: 8690
Wohnort: Im Kaff Der Guten Hoffnung
Beitrag 
Muss da mal einhaken:

Wenn ich heute die Schilddrüse mit "jodtabletten" gesättigt habe und das
Wilde Jod ständig "herumgeistert", wie lange bin ich denn gegen die
Aufnahme (oder besser Akkumulation in der Schilddrüse) radioaktiven Jods
geschützt?
Man wird doch sicherlich eine ständige Dosierung benötigen?

_________________
wie kann ich mich hier desintegrieren?


26.03.2008, 23:40
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Chemie Senior
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Beiträge: 233
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Beitrag 
Desinfector:

google mal nach "Merkblatt für die Bevölkerung" Strahlenunfall Jodblockade

Wenn ich das richtig sehe, denken die für Erwachsene an 2 * 65 mg KI / d, also wohl 100 mg Iod am Tag.
Ich hatte die Dinger das letzte mal in nem ABC-Kurs währen der Ausbildung in der Hand, gibt aber anscheinend keine neue Version.

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26.03.2008, 23:51
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Chemie Freak

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Beiträge: 955
Beitrag 
Desinfector hat geschrieben:
Muss da mal einhaken:

Wenn ich heute die Schilddrüse mit "jodtabletten" gesättigt habe und das
Wilde Jod ständig "herumgeistert", wie lange bin ich denn gegen die
Aufnahme (oder besser Akkumulation in der Schilddrüse) radioaktiven Jods
geschützt?
Man wird doch sicherlich eine ständige Dosierung benötigen?


Die HWZ von 131-I beträgt 8,05 Tage. Neben radioavtivem Xenon ist es eines der wenigen flüchigen Nuklide, die bei der Kernspaltung auftreten. Beim Störfall Tschernobyl wurde bei uns für Kleinkinder eine "Quarantäne" ("Hausarrest") von 2 Wochen als für genügend erachtet.

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27.03.2008, 10:02
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Chemie Junior

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Beiträge: 6
Beitrag 
Aber wenn zum Beispiel nach Einnahme so einer Tablette das Iod "aufgefüllt" ist, sind nach einer Stunde vielleicht nur mehr 90% des benötigten Iods enthalten, weil der Rest schon "verarbeitet" wurde. Die 10% können dann ja schon mit dem radioaktiven Iod aufgefüllt werden, also bräuchte man eine ständige Sättigung des Iodgehalts in der Schilddrüse?!


27.03.2008, 14:12
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Chemie Freak

Registriert: 16.07.2007, 19:35
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Beitrag 
es gibt auch noch diverse länger lebende Iodisotope...hab gerade keine Zeit die hier samt HWZ aufzuzählen wird aber nachgeholt...versprochen
Gruß Molly

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(Kant)


27.03.2008, 16:22
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Chemie Freak
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Registriert: 27.01.2007, 15:53
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Wohnort: In der Alpenrepublik
Beitrag 
weitere sind zb. Jod-129 und 128
hier hab ich mal nen ähnlichen artikel geschrieben http://forum.chemikalien.de/viewtopic,p,159266.html#159266

Ps: des weiteren meine ich zu wissen das KI nur unter 60j verabreicht wird ?

mfg

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27.03.2008, 16:46
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Chemie Freak

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Beiträge: 955
Beitrag 
129-I ist mit einer HWZ von 1,57•10exp7 Jahren das langlebigste Jod-Nuklid. Die HWZ von 128-I beträgt gerade mal 25,0 min... (aus Karlruher Nuklidkarte).
Ich weiß zuwenig über die Materie, um erklären zu können, weshalb im Zusammenhang mit der Fission immer nur von 131-I geschrieben wird.

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27.03.2008, 18:27
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Chemie Freak

Registriert: 16.07.2007, 19:35
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Beitrag 
weil das bei der Fission von U-235 viel häufiger entsteht als die anderen..

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27.03.2008, 20:20
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